[ edu RPG ] Rollenspiel als Lernraum

Brindlewood Bay: Neffen im Not jetzt im Shop

31. Juli 2026

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31. Juli 2026
Schriftzug "#edurpg" in dunklem orange auf einem Ausschnitt aus dem Buchcover, auf dem eine Situation in einem Hörsaal abgebildet ist. Die Illustration zeigt rechts einen Drachen, der auf drei Personen schaut, die sich ihm zuwenden. Eine stehende Person in weißem Hemd zeigt erklärend auf den Drachen. Eine Person im Rollstuhl links hält einen Würfelbecher und einen Würfel, den sie gerade wirft. Rechts steht eine Person an einem Tisch und bedient einen Overheadprojektor.

“Hey Frank”, fragte Daniel mich vor ein paar Tagen, “was sagt die Wissenschaft denn tatsächlich über Rollenspiele aus? Was habt ihr denn im Buch rausgefunden? Willst du darüber nicht auch einen Blogbeitrag für unseren Verlagsblog schreiben?” – “Klar”, hab ich geantwortet, also schauen wir mal gemeinsam, wie der Stand des Wissens derzeit ist:

Wenn wir uns die Forschung insgesamt anschauen, dann ist das Bild im Moment noch vorsichtig optimistisch formuliert. Rollenspiel wirkt. Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass es Lernen unterstützt, Motivation stärkt und soziale Kompetenzen fördert. Gleichzeitig ist die Studienlage noch im Aufbau. Eine Formulierung von Megan Connell bringt es für mich recht gut auf den Punkt: Rollenspiel scheint ein effektives Lernwerkzeug zu sein. Auf dem gegenwärtigen Stand hat es das Potenzial, eine evidenzbasierte Praxismethode zu werden.

Um zu verstehen, warum das so ist, lohnt sich ein Blick aus drei Richtungen: Soziologie, Psychologie und Didaktik.

Soziologischer Blick auf Rollenspiele

Starten wir mit der Soziologie.

Wer schon einmal gespielt hat, kennt dieses leichte Hin- und Herwechseln. Eben noch spricht man als Spielerin über Regeln oder Snacks, im nächsten Moment ist man wieder vollständig in der Rolle. Dann wieder ein kurzer Blick auf den Charakterbogen, ein Würfelwurf, ein Lachen am Tisch. Soziologisch betrachtet bewegen wir uns dabei ständig zwischen verschiedenen Bedeutungsebenen. Da ist die reale Person am Tisch. Da ist das Spiel mit seinen Regeln. Und da ist die Figur in der Geschichte. Alle drei sind präsent, und wir wechseln permanent zwischen ihnen.

Gleichzeitig gibt es zahlreiche weitere Ebenen. Etwa formale Spielmechaniken, eine gemeinsam geteilte Phantasiewelt, die Beziehungen und Rollen der Spielenden, die Immersion in die Rolle usw. Diese Vielfalt komplexer Ebenen macht Rollenspiel aus soziologischer Sicht zu einer Art Experimentierraum. Man kann soziale Strukturen nicht nur besprechen, sondern ausprobieren, verändern und neu zusammensetzen. Und dabei entsteht ein Verständnis dafür, dass viele Dinge, die im Alltag selbstverständlich wirken, eigentlich vom Kontext abhängen. Außerdem ermöglicht es das Training von Empathie und sozialer Kompetenz.

Psychologischer Blick auf Rollenspiele

Die Psychologie schaut auf eine andere Ebene. Hier geht es stärker um die Frage, was im Individuum passiert. Wie verändern sich Wahrnehmung, Verhalten, vielleicht sogar Einstellungen durch das Spiel?

Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von Studien, die positive Effekte zeigen. Unter anderem auf Bereiche wie Wohlbefinden, Kreativität und erneut auch soziale Kompetenzen. Spannend wird es, wenn man diese Effekte gezielt nutzen möchte. Dann rückt die Gestaltung des Spiels stärker in den Fokus. Unterschiedliche Systeme fördern unterschiedliche Prozesse. Ein taktisch geprägtes Spiel trainiert eher Planung und Entscheidungslogik. Ein erzählerisches System eröffnet Räume für Perspektivwechsel und soziale Interaktion.

Dazu kommt ein Phänomen, das viele von uns sicher selbst im Spiel erlebt haben. Gefühle, Haltungen oder Einsichten können vom Spiel in den Alltag hineinwirken – und umgekehrt. Man spricht hier von sogenannten Bleed-Effekten.

Darin liegt eine gewisse Gefahr, wenn es unkontrolliert passiert. Wir nutzen im modernen Rollenspiel daher ja inzwischen Sicherheits-Tools. Für die Bildung liegt im Bleed aber auch großes Potenzial, insofern eine bewusste Einordnung gemacht wird. Aus intensiven Spielerfahrungen können Lernprozesse werden, wenn sie sinnvoll und gezielt vorbereitet und sorgfältig nachbereitet werden.

Didaktischer Blick auf Rollenspiele

Und damit sind wir bei der Didaktik. Das eigentliche Spiel ist nur ein Teil des Lernprozesses. Wichtig ist der Rahmen, in den es eingebettet ist. Vor dem Spiel steht ein klares Briefing. Worum geht es? Welche Ziele verfolgen wir? Welche Rollen werden eingenommen?

Nach dem Spiel folgt das Debriefing. Und das ist oft der entscheidende Moment. Hier wird die Erfahrung aufgegriffen, emotional und kognitiv verarbeitet und mit den Lernzielen verbunden. Was ist passiert? Warum? Und was bedeutet das für die Realität außerhalb des Spiels?

Fazit

Wenn man diese drei Perspektiven zusammenführt, ergibt sich ein recht klares Bild: Rollenspiel schafft einen Raum, in dem soziale Wirklichkeit erfahrbar wird. Es ermöglicht individuelles Lernen durch Handlung und Reflexion. Und es lässt sich didaktisch so strukturieren, dass diese Erfahrungen gezielt genutzt werden können. Genau an dieser Schnittstelle bewegt sich #eduRPG.

Mehr über die Enstehungsgeschichte des Buchprojekts #eduRPG erfahrt ihr im Blogbeitrag vom 4. Mai: Was wäre, wenn Lernen sich wie ein Abenteuer anfühlen würde?

(Text: Frank Robertz)

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